Hallo zusammen,
ich stoße gerade auf ein Thema, bei dem ich nicht wirklich weiterkomme und hoffe, dass hier jemand praktische Erfahrung hat.
Ich arbeite aktuell mit ein paar Merchants zusammen, die ihren Sitz im europäischen Ausland haben – konkret Spanien und die Niederlande. Die Affiliate-Verträge, die die mir geschickt haben, enthalten Klauseln, dass bei Streitigkeiten das Recht des jeweiligen Merchantlandes gilt. Das klingt für mich als deutschen Affiliate erstmal unangenehm, weil ich dann im Zweifelsfall irgendwo im Ausland klagen müsste?
Meine Fragen:
- Ist so eine Klausel überhaupt wirksam, wenn ich als Verbraucher oder Kleinunternehmer agiere?
- Muss ich mich daran halten, oder greift da automatisch deutsches Recht weil ich hier ansässig bin?
- Wie handhabt ihr das grundsätzlich, wenn ihr mit ausländischen Programmen arbeitet? Einfach unterschreiben und hoffen dass nichts passiert?
Ich frage das auch deswegen, weil ich gerade überlege mein Portfolio um einige Sommerprojekte zu erweitern – Klimaanlagen, Ventilatoren usw. – und da sind viele interessante Merchants aus Südeuropa dabei. Bevor ich da tiefer einsteige wollte ich das rechtliche Fundament verstehen.
Bin kein Rechtsexperte und möchte auch keinen Anwalt für jede Kleinigkeit einschalten. Vielleicht hat jemand da draußen das schon durchlebt?
Danke im Voraus!
Thomas
Das ist tatsächlich ein Thema das viele unterschätzen. Kurz zur Einordnung: Innerhalb der EU greift die Rom-I-Verordnung, die regelt welches Recht auf Verträge anzuwenden ist. Grundsätzlich können Parteien das anwendbare Recht frei wählen – also eine spanische Rechtswahlklausel kann wirksam sein. Aber: Wenn du als Verbraucher handelst (was bei Kleinaffiliates manchmal argumentiert werden kann, je nach Umsatz und Auftreten), schützt dich Art. 6 Rom-I – dann darf dir die Rechtswahl nicht den Schutz entziehen, den dir dein Heimatrecht gibt.
Als Gewerbetreibender sieht das schon anders aus, da gilt die freie Rechtswahl stärker. In der Praxis hab ich das so gehandhabt: Bei kleineren Programmen einfach den Vertrag gelesen, geschaut ob irgendwas grob unzumutbar ist, und dann unterschrieben. Echte Streitigkeiten mit ausländischen Merchants sind selten – meistens geht's um Provisionskürzungen oder Programmschließungen, und da hilft kein Vertrag wirklich.
Was Sommernischen mit südeuropäischen Merchants angeht – ich hab da im Thread zu Seasonal-Nischen schon geschrieben dass die Margen dort oft interessant sind. Rechtlich würde ich sagen: Augen auf, aber nicht übermäßig ängstlich sein. Für wirkliche Klarheit bei höheren Summen lieber einmal kurz einen Anwalt fragen.