Hallo zusammen,
ich beschäftige mich jetzt schon eine Weile mit Affiliate-Marketing und die Einnahmen werden langsam konkreter. Bisher hab ich das steuerlich eher so mitlaufen lassen, aber jetzt wo wirklich monatlich was reinkommt, mache ich mir Gedanken ob ich das alles richtig mache.
Meine Situation: Ich betreibe das Ganze nebenberuflich, hab also noch einen regulären Arbeitgeber. Die Affiliate-Provisionen laufen über verschiedene Netzwerke, teilweise auch aus dem EU-Ausland (z.B. ein irisches Netzwerk). Was mich konkret beschäftigt:
- Muss ich für jedes Netzwerk einzeln nachweisen können was reingekommen ist?
- Wie ist das mit der Umsatzsteuer, wenn der Anbieter in Irland sitzt?
- Ab welchem Betrag lohnt sich eigentlich ein Steuerberater oder kann man das als Einsteiger noch selbst mit ELSTER abbilden?
- Sind Hosting-Kosten, Domain, Tools usw. einfach als Betriebsausgaben absetzbar?
Ich frage das hier weil ich vermute dass viele von euch das gleiche Problem kennen und ich keine Lust habe teure Fehler zu machen. Einen Steuerberater hole ich mir wahrscheinlich irgendwann, aber ich würde gerne erstmal verstehen wie das grundsätzlich funktioniert bevor ich da blind reingehe.
Freue mich über eure Erfahrungen!
Ich nutz für sowas Lexoffice, kostet ein bisschen aber du hast alle Einnahmen und Ausgaben sauber kategorisiert und kannst am Jahresende einfach den Datev-Export zum Steuerberater schicken. Spart mir jedes mal ne Menge Zeit. Die Netzwerk-Abrechnungen lad ich monatlich runter und leg die als PDF ab, fertig. Gerade im Sommer wenn man eh mal mehr Zeit hat lohnt's sich einmal das System richtig aufzusetzen.
Ich mach das seit Jahren und kann dir sagen: Ja, du brauchst für jedes Netzwerk eine saubere Aufzeichnung. Am besten monatlich die Abrechnungen runterladen und irgendwo ablegen – die meisten Netzwerke stellen die auch nicht ewig zur Verfügung.
Die Betriebsausgaben sind eigentlich unkompliziert. Hosting, Domain, Tools, anteilig Strom wenn du ein Arbeitszimmer nachweisen kannst – alles absetzbar. Ich nutze dafür eine einfache Tabelle, nichts Ausgefallenes.
Was ich aus Erfahrung sagen würde: Hol dir zumindest einmal einen Steuerberater für eine Erstberatung. Nicht unbedingt für jedes Jahr, aber der initiale Aufschlag zahlt sich aus. Die Kleinunternehmergrenze liegt bei 22.000 Euro Jahresumsatz – solange du darunter bleibst, sparst du dir die Umsatzsteuer-Thematik größtenteils. Sobald du drüber gehst, wird's aufwendiger.
Wann lohnt sich der Aufwand für saisonale Nischen wirklich? – das hab ich da auch angesprochen, manchmal ist der Aufwand für kurzfristige Einnahmen steuerlich fast nicht lohnenswert wenn man alles einrechnet.
Ehrlich gesagt würde ich hier aufpassen mit zu viel Halbwissen aus dem Forum – das ist halt alles keine Steuerberatung und jeder Fall ist anders. Ich sag das nicht um unhilfreich zu sein, aber gerade das Thema Ausland-Netzwerke und Reverse Charge ist was wo Fehler teuer werden können.
Für den Einstieg: ELSTER ist machbar wenn du weißt was du tust. Aber sobald die Einnahmen regelmäßiger werden und du mehrere Quellen hast, zahl lieber einmal für ne ordentliche Beratung. Das ist günstiger als eine Betriebsprüfung die Fragen stellt.
Reverse Charge ist tatsächlich das Stichwort, wie ClaudiaK oben schon schreibt. Das wird oft unterschätzt. Ich hab meine WP-Seiten und das ganze technische Drumherum schon länger im Griff, aber bei der Steuer hab ich anfangs auch Fehler gemacht.
Konkret zu deiner Frage bzgl. Betriebsausgaben: Ja, Hosting und Domain sind problemlos abzusetzen. Bei Tools kommt es auf den Verwendungszweck an – wenn das Tool ausschließlich für die Affiliate-Seite genutzt wird, volle Absetzbarkeit. Wenn du es auch privat nutzt, wird's anteilig. Das Finanzamt fragt da manchmal nach.
Ein Tipp aus der Praxis: Mach dir von Anfang an klare Konten oder zumindest Kategorien in der Buchhaltung. Wenn man das erst rückwirkend aufdröseln muss, kostet das ewig. Ich trenne das über ein separates Bankkonto, das ist zwar nicht Pflicht, aber hilft enorm bei der Übersicht.