Moin zusammen,
ichmal eine Frage die mich schon länger beschäftigt und gerade im Sommer, wo eh etwas mehr Zeit zum Nachdenken ist, wieder hochkommt.
Ich bin jetzt 8 Jahre im Affiliate-Business und mache inzwischen auch immer wieder Projektarbeit für externe Auftraggeber – Setup von Tracking-Strukturen, Kampagnenberatung, sowas in der Richtung. Das Problem: Ich hab das Gefühl, dass ich meinen Stundensatz nie wirklich sauber kalkuliert habe. Ich bin da immer irgendwie nach Bauchgefühl rangegangen oder hab geschaut was andere verlangen.
Was ich meine: Wenn ich 80€/h ansetze, klingt das erstmal ordentlich. Aber dann rechne ich Akquisezeit nicht rein, keine Puffer für Krankheit, keine Altersvorsorge, die ganzen Nebenkosten für Tools und Software die ich nutze – und auf einmal sieht das deutlich weniger rosig aus.
Welche Posten vergisst ihr am häufigsten bei der Kalkulation? Gibt es eine Faustformel die ihr nutzt, oder arbeitet ihr mit einem konkreten Tool/Spreadsheet?
Mich interessiert vor allem ob hier jemand einen systematischen Ansatz hat, der über das übliche 'mal 2 nehmen' hinausgeht. Und falls jemand Erfahrung hat wie man das steuerlich richtig aufstellt – auch das wäre interessant.
Danke schonmal,
Thomas
Das ist tatsächlich eines der Themen wo ich in meiner Beratungspraxis regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Die meisten Freelancer – nicht nur im Affiliate-Bereich – unterschätzen ihren Nettostundensatz systematisch.
Kurze Struktur die ich empfehle: Erst den Zielnettomonatslohn festlegen, dann hochrechnen auf Brutto inkl. Sozialabgaben (als Selbständiger trägst du den Arbeitgeberanteil komplett allein), dann Betriebskosten drauf (Tools, Software, anteilig Büro, Fortbildung), und dann – das vergessen fast alle – die tatsächlich fakturierbaren Stunden realistisch einschätzen. Erfahrungswert: von 160 Arbeitsstunden im Monat sind oft nur 60-70% wirklich abrechenbar. Den Rest fressen Akquise, Buchhaltung, Support, Urlaub.
Bei 80€/h klingt viel, aber wenn du nur 100 Stunden fakturierst und davon noch Steuern gehen – da bleibt oft weniger als bei einem Angestellten mit 50k Jahresgehalt.
Ich hab das Thema Steuerliches übrigens auch schon im Kontext Affiliate allgemein angeschnitten, siehe Impressumspflicht bei Affiliate-Sites – da geht es zwar um was anderes, aber die grundsätzliche Unterschätzung von steuerlich relevanten Pflichten zieht sich durch.
Konkrete Formel: (Jahreszieleinkommen netto + Steuern + Sozialabgaben + Betriebskosten) / fakturierbare Jahresstunden = Mindeststundensatz. Alles darunter ist ein Verlustgeschäft.