Ich bekomme seit einiger Zeit regelmäßig Anfragen für Freelance-Projekte im Analytics- und Tracking-Bereich. Das klingt erstmal gut, aber die Realität ist: mindestens die Hälfte davon ist schlicht nicht sinnvoll anzunehmen.
Das klassische Problem: Auftraggeber kommen mit vagen Vorstellungen, haben keine klare Datenbasis, wollen aber konkrete Conversion-Verbesserungen in 4 Wochen sehen. Oder die Budgetvorstellung passt überhaupt nicht zu dem, was technisch tatsächlich gebraucht wird (vernünftiges Tracking-Setup, GA4-Migration, saubere Funnel-Attribution – das dauert).
Ich hab mittlerweile ein grobes internes Scoring entwickelt: Gibt es historische Daten? Ist der Auftraggeber bereit, Tracking-Code auf der Seite implementieren zu lassen? Wie realistisch sind die Ziel-KPIs? Aber ich bin mir nicht sicher, ob das ausreicht.
Was mich interessiert: Welche Signale nutzt ihr, um schon beim Erstgespräch zu merken, ob ein Projekt Sinn macht? Gibt es spezifische Fragen, die ihr stellt? Oder habt ihr einfach ein Bauchgefühl entwickelt das nach vielen Projekten funktioniert?
Gerade im Sommer kommen viele Anfragen von Leuten die "endlich mal das Tracking richtig aufsetzen" wollen – da wäre ein besserer Filter-Prozess wirklich hilfreich.
Ich qualifizier mittlerweile fast ausschließlich übers Budget-Gespräch. Klingt banal, aber wer bei einer konkreten Budgetfrage ausweicht oder sagt "kommt drauf an was ihr vorschlagt", hat meistens keine klare Vorstellung und kein Commitment. Das ist bei Funnel-Projekten genauso wie bei reinem Tracking-Setup.
Das mit dem "endlich mal richtig aufsetzen" im Sommer kenn ich btw – das ist fast schon eine Jahreszeitserscheinung 😄
PS: Ich hab dazu auch mal was im Thread zu statischen HTML-Seiten geschrieben, da ging es zwar um was anderes, aber das Thema Entscheidungsgrundlagen für Projekte kam da auch kurz auf.
Gute Frage, das Thema kenne ich sehr gut aus meiner Arbeit mit Infoprodukten und Funnels.
Mein wichtigster Filter im Erstgespräch: Ich frage direkt nach dem aktuellen monatlichen Traffic und ob es schon irgendeine Form von Conversion-Tracking gibt – egal wie rudimentär. Wer auf beide Fragen keine konkrete Antwort hat, ist meistens noch nicht so weit, dass ein externer Profi wirklich helfen kann. Da fehlt die Grundlage.
Ein zweites Signal ist für mich die Reaktion auf die Frage nach Testzeiträumen. Wer sagt "wir brauchen Ergebnisse in 30 Tagen" ohne dass ein Mindest-Traffic vorhanden ist, der statistisch verwertbare Daten liefert, hat schlicht unrealistische Erwartungen. Das lässt sich meistens nicht umerziehen.
Was ich auch immer abfrage: Wer im Unternehmen hat Zugriff auf die Website und darf technische Änderungen umsetzen? Wenn das unklar ist oder "erstmal geklärt werden muss", wird das Projekt zu 80% ein Chaos. Ich hab das ein paarmal ignoriert – nie wieder.
Dein Scoring-Ansatz klingt schon vernünftig. Ich würde noch einen Punkt ergänzen: Ist der Kontakt entscheidungsbefugt oder muss er alles intern abstimmen? Das kostet bei schlechter Abstimmung unverhältnismäßig viel Zeit.