Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit über 10 Jahren intensiv mit Tracking und Analytics – hauptsächlich für eigene Projekte. Jetzt habe ich im Sommer mehr Zeit und überlege, auch mal als Freelancer für andere zu arbeiten, also konkrete Tracking-Setups für Auftraggeber aufzubauen oder zu optimieren.
Das eigentliche Problem: Ich merke, dass ich zwar technisch tief drin bin, aber null Ahnung habe wie ich einem Auftraggeber erklären soll, was ich eigentlich mache und was es bringt. Wenn ich intern sage 'wir bauen einen serverseitigen Tracking-Layer mit Attribution-Modell über mehrere Touchpoints', dann nicken Kunden höflich und verstehen vermutlich die Hälfte nicht.
Wie macht ihr das konkret? Erstellt ihr irgendwelche Deliverable-Templates vorab, also sowas wie eine Leistungsbeschreibung die auch jemand ohne technischen Background versteht? Oder macht ihr am Anfang ein Kick-off wo ihr das alles mündlich durchgeht?
Zusätzliche Frage: Wie definiert ihr Projekterfolg gegenüber dem Auftraggeber, wenn am Ende keine direkten Umsatzzahlen verbesserbar sind, sondern 'nur' die Datenqualität steigt? Das ist schwierig zu verkaufen...
Freue mich über Erfahrungen, auch wenn jemand sagt dass er das nie hinbekommen hat und lieber bei eigenen Projekten bleibt. Ehrliche Meinungen willkommen.
Michael
Aus meiner früheren Berufserfahrung kenne ich das genau andersrum – ich saß jahrelang auf der Abnehmerseite wenn externe Dienstleister Projekte pitchen mussten.
Das Kernproblem das du beschreibst ist klassisch: technische Kompetenz lässt sich schwer kommunizieren wenn der Empfänger keine gemeinsame Fachsprache hat. Wir haben damals intern immer nach zwei Dingen geschaut: erstens eine klare Risikobeschreibung (was passiert wenn wir das nicht machen?) und zweitens ein Zeitplan mit definierten Meilensteinen.
Die Datenqualitätsfrage würde ich so angehen: Definiere vorab messbare Qualitätskriterien mit Ist-Wert und Sollwert. Also konkret – 'aktuell werden 23% der Conversions nicht korrekt zugeordnet, nach dem Projekt soll das unter 5% liegen'. Dann hast du ein klares Erfolgskriterium das auch jemand ohne Tracking-Hintergrund nachvollziehen kann. Das schützt übrigens auch dich als Freelancer, weil es Diskussionen über 'war das jetzt gut genug' vermeidet.
Ich steig gerade selber wieder neu ein nach langer Pause, also bin ich eher auf der Auftraggeber- als auf der Freelancer-Seite wenn ich sowas einhole.
Und ich kann dir sagen: Als jemand der nicht tief im Tracking steckt, bin ich froh wenn Freelancer mir einfach erklären was sie machen. Ich hab vor kurzem mit jemanden gesprochen der mir 20 Minuten lang erklärt hat was er alles kann – ich hab am Ende nicht verstanden ob er mir helfen kann oder nicht.
Ein konkretes Beispiel was du gelöst hast, am besten mit Zahlen vorher/nachher, ist tausendmal wertvoller als jede technische Beschreibung. Das klingt banal aber viele machen's trotzdem nicht.
Ehrliche Antwort: Die meisten Freelancer die ich kenne lösen das Problem gar nicht wirklich, sondern verschieben es. Sie schreiben fancy Proposals mit viel Buzzword-Bingo und der Kunde nickt weil er sich nicht traut nachzufragen.
Was tatsächlich funktioniert – und ich hab das bei ein paar Leuten beobachtet die das professionell machen – ist radikales Runterbrechen auf Business-Outcomes. Nicht 'wir verbessern die Datenqualität', sondern 'du wirst in 4 Wochen wissen welche deiner Kampagnen 30% des Budgets verbrennen ohne messbare Rückläufer'. Das ist was Auftraggeber hören wollen.
Dein Punkt mit der Datenqualität als Projektziel ist übrigens ein echtes Problem. Da würd ich aufpassen – wenn der Auftraggeber kein Vorher-Nachher in Euro sieht, wird das Projekt im Rückblick oft als 'nice to have' wahrgenommen, egal wie gut du gearbeitet hast. Entweder du definierst vorher messbare Proxy-Metriken (Tracking-Coverage-Rate, deduplizierte Conversions etc.) oder du nimmst Projekte wo direkte Business-Metriken verbesserbar sind.
Ich mach das neben meinem regulären Job also kenn ich das Problem ein bisschen anders – ich hab keine Zeit für langes Onboarding und muss Aufträge nehmen wo der Scope von Anfang an klar ist.
Was bei mir gut funktioniert: Ein einseitiges 'Was bekommt ihr'-Dokument vor Projektstart. Kein technisches Kauderwelsch, einfach drei bis vier konkrete Punkte was am Ende da sein wird. Screenshot-Beispiele aus alten Projekten helfen enorm, die reden mehr als jede Beschreibung.
Zur Datenqualitätsfrage – ich hab mal ein Projekt abgelehnt wo genau das der Kern war, weil ich gemerkt hab dass der Auftraggeber eigentlich gar kein klares Ziel hatte. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung. Wenn du nicht in einem Satz erklären kannst warum bessere Daten dem Kunden konkret nützen, dann ist das Projekt noch nicht reif.
Du hast ja zu Provisionsmodellen vergleichen was geschrieben – da ist der Ansatz eigentlich ähnlich: Vergleich brauchst du immer gegen eine klare Bezugsgröße.